Antifeminismus und Wikipedia – jetzt erst Recht!

Andreas Kemper berichtet in seinem Blog über eine antifeministische Kampagne, die dazu führte, dass eine Autorin aus der Wikipedia ebendiese verließ. Andreas schreibt:

  • Zu dieser Kampagne gehören externe Forenbeiträge zu ihrer Wikipedia-Arbeit. Mindestens fünf  verschiedene Maskulisten-Foren (genderama, sciencefiles, manndat, wgvdl.com, wgvdl.net) kommentierten die Arbeit von Fiona Baine und riefen dazu auf, ihr das Handwerk zu legen (“Bainewatch”).
  • Zu dieser Kampagne gehörten und gehören Spekulationen über ihren Klarnamen. Peinlicherweise wurde eine in Wien lebende Frauenforscherin mit Fiona Baine gleichgesetzt und mit Schmähungen bedacht, die eigentlich für Fiona Baine gedacht waren. Die Frauenforscherin hatte bis dahin nichts mit Wikipedia zu tun, aber sie wird sich jetzt ihren Teil zu Wikipedia denken.
  • Zu dieser Kampagne gehört ein zweisprachiger Offener Brief an Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, mit der Aufforderung, Fiona Baine aus der deutschsprachigen Wikipedia herauszuschmeißen. Bereits am 30.7. hatte die Wikipedia-Mitarbeiterin Die Sengerin in einem Beitrag im öffentlichen Wikipedia-Kurier auf die Kampagne gegen Fiona Baine aufmerksam gemacht.
  • Zu dieser Kampagne gehören permanente feige Angriffe auf ihrer Benutzerinnen-Seite. “Zieh dich aus, Kleine” mit Bildern von Ejakulationen wurden auf ihrer Seite gepostet.
  • Zu dieser Kampagne gehören auch Kommunikationsformen in Wikipedia wie “Weibchen, bei mir hast du Narrenfreiheit” von einem Sexisten, der aus den Reihen derjenigen kommt, die diese Kampagne gefahren haben (Attatroll von wgvdl.net).
  • Zu dieser Kampagne gehören Sockenpuppenvorwürfe. Sie hat sich deshalb persönlich mit einem langjährigen Wikipedia-Mitglied getroffen. Ein Check-User-Verfahren, welches normalerweise eingeleitet wird, um Sockenpuppen zu enttarnen, haben diejenigen, die ihr permanent Sockenpuppenmissbrauch unterstellten, nicht angestrebt.

Andreas bemängelt weiterhin, dass es in der Wikipedia keinerlei Strukturen gebe, AutorInnen vor solchen Hetzkampagnen zu schützen. Das erinnert an die Idee, die während der re:publica-Diskussion über den Gender-Gap in der Wikipedia aufkam, dass es eine Art “Antidiskriminierungsstelle” innerhalb der Wikipedia geben müsse. Einen Ort oder einen Menschen, an den sich Betroffene wenden können und der/die auch mit einer Kompetenz ausgestattet ist, Maßnahmen einzuleiten, um Betroffene zu schützen.
Abgesehen davon wird hier wieder einmal deutlich: Die geringe Vernetzung von Frauen in der Wikipedia. der geringe Anteil an Autorinnen macht sie leichter angreifbar. Und es wird nicht aufhören:

Im Manndat-Forum wird bereits der Sieg über Fiona Baine gefeiert. Michael Klein ruft dazu auf, nun den Druck zu erhöhen. Eine weitere Wikipedia-Autorin wird mit Klarnamennennung bedroht und damit, dass ein Anwalt gegen sie eingeschaltet wird. Außerdem solle nun zum Boykott gegen die “ideologisch durchseuchte” Wikipedia aufgerufen werden. Es ist übrigens noch immer möglich, bei Wikipedia mitzuschreiben. Es ist sehr leicht, sich anzumelden und Artikel zu gestalten. Wichtig ist, dass immer quellenbasiert gearbeitet wird.
Hier ist es möglich, sich bei Wikipedia anzumelden:  http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Spezial:Anmelden

Andreas zeigt damit, dass er sich wünscht, dass mehr Gegenmacht generiert wird. Wendet euch nicht von der Wikipedia ab – kommt, macht mit, helft. Ich denke, das Anliegen ist unterstützenswert. Ich würde daran aber zunächst einige Bedingungen knüpfen, die sich an die Verantwortlichen u.a. bei Wikimedia e.V. richten:#

  • Gebt uns Rückendeckung! - wie auch immer das konkret umgesetzt werden kann. Und sei es, indem ihr zu solchen Fällen öffentlich Stellung bezieht und Haltung annehmt. Es wird öffentlich gesagt, dass man die Gender-Gap schließen wolle – so here is your first Chance: Stellt euch hinter alle Frauen, die systematisch aus der Wikipedia ausgegrenzt werden sollen!
  • Gebt uns eine Vernetzungsstruktur - sei es ein Forum oder auch zuerst einmal nur eine Mailingliste. Es gibt bereits eine Mailingliste in der englischsprachigen Wikipedia und hier wird genau das gemacht, was wir in Deutschland dringend brauchen: Hier stärkt man sich auch ganz konkret mal den Rücken. Und hier werden gemeinsam Mittel und Wege (Stichwort Positive Action) überlegt, wie man die Gender Gap schließen kann.
  • Schafft Strukturen! - Nein: Die Wikipedia ist kein Raum ohne Strukturen – und schon gar nicht ohne massive Machtstrukturen! Nur sind diese nahezu komplett informell und unkontrollierbar gewachsen. Es muss irgendwie möglich sein, formelle und legitimierte Strukturen zu schaffen, die dem eine Gegenmacht bieten können.

Ja – Wikipedia ist freies Wissen und ja: Es basiert auf der Idee: Die Intelligenz der Vielen. Aber es gibt einen deutlichen BIAS in ihr und sie ist dadurch vielleicht nichtmal halb so intelligent, wie sie sein könnte. Wegschauen macht die Sache nicht besser. Ratlos daneben stehen macht die Sache nicht besser. JedeR, der/die Wikipedia nutzt, aktiv und passiv, kann und sollte etwas tun. Und sei es nur eine Haltung, die man dazu hat.

34 Kommentare

  1. Torsten sagt:

    Zu erwähnen ist, dass in einem Fall ein Checkuser-Verfahren durchgeführt wurde und nicht weniger als 12 Accounts von einer Person kontrolliert wurden, um hier Partei zu ergriefen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Checkuser/Anfragen/Archiv/2012-2#.286._Juni.29_-_Email-Anfrage

    Was “Maskulinisten” abziehen ist jenseits jeder Diskussion — dass sie zum Beispiel stolz Links von PI-News präsentieren, diekreditiert sie besonders.

    Die Antwort kann jedoch nicht sein, wer besser manipulieren kann.

    • Katrin sagt:

      okay – also dass man nicht zu unlauteren Mitteln greifen sollte, wenn man die welt verbessern will, ich weiß nicht: Ist das nicht irgendwie Konsens? Wir sollten wohl zur Kenntnis nehmen, wie man es nicht machen sollte – aber an schwarzen Schafen möchte ich diese Debatte nun nicht weiter führen.

      • Torsten sagt:

        Leider nein.

        Wenn man über Jahre gegen eine Mauer anrennt und man meint, dass der Gegner rücksichtslos manipuliert — dann greifen viele zu Mitteln, die sie vorher nicht als gangbar betrachtet hätten, aber dann doch als legitime Notwehr betrachten. Selbst Admins sehen Sockenpuppen teilweise als notwendig an.

        Dass Andreas Kemper das Kapitel in seinem Posting ganz verschweigt, ist in meinen Augen jedenfalls gar nicht gut. Er hatte vorher eine 30-seitige Doku verschickt, die gerade allein die Behandlung diese Person zum Thema hatte. Dass die scheinbar sexistisch motivierten Sockenpuppen-Vorwürfe dann doch der Realität entsprachen, interpretiert er als Bestätigung, nicht als Widerlegung seiner Beweisführung. Mir fällt es da schwer, seine anderen Zusammenfassungen zu glauben. Nachvollziehen kann man sie kaum ohne eine Woche lang nichts anderes zu tun als Wikipedia-Diskussionsseiten zu lesen.

        Ja, Wikipedia hat ein Sexismus-Problem. Deine Forderung nach Strukturen ist daher sehr wichtig und richtig. Gleichzeitig muss man aber auch klar eine Grenze ziehen, was der Zweck und was die Mittel des Projekts sind. In der englischsprachigen Liste gab es auch zu Beginn einen gewaltigen Skandal, der dann auch zum Rücktritt von Durova führte.

        • Hallo Torsten, das war eine 50seitige Dokumentation. Die Sockenpuppen-Vorwürfe richteten sich kaum gegen die Wikipedia-Autorin, die tatsächlich diverse Accounts angelegt hat, sondern gegen eine andere Autorin. Was ihr hingegen abgesprochen wurde, war ihre Weiblichkeit. An den festgestellten sexistischen Strukturen ändert das nur wenig. Zumal die Autorin Sockenpuppen anlegte, nachdem im Gegensatz zu einem militärischen Kriegsgerät (WASP) ihr Artikel zur Mutter von Willy Brandt nicht die Mehrheit für ein “Lesenswert”-Zertifikat erreichte. Ich legitimiere ausdrücklich nicht den Sockenpuppenmissbrauch. Aber ich wiederhole gerne meine Aussage, die mir ein Benutzersperrverfahren eingebracht hat: dass der Bias einer zu 92 Prozent männlichen Wikipedia-Autor_innenschaft sehr viel schwerer wiegt als die Wahlmanipulationen einer einzelnen Frau, die in einer Frage zehnmal abstimmt. Würden alle Wikipedia-Autorinnen zehn Accounts anlegen und mit ihnen abstimmen, dann gäbe es zumindest keinen Geschlechter-Bias in den Wikipedia-Abstimmungen mehr – wobei ich nochmal betone, dass das nicht der richtige Weg ist. Vielmehr geht es darum, die Ursachen für das Gender-Gap herauszufinden, um es konstruktiv zu schließen.

          • Torsten sagt:

            Vieles, was Du in Deiner 50seitigen Dokumentation als Sexismus qualifiziert hast, las ich als Vorwurf Sockenpuppen zu verwenden. Und so war es dann auch.

            Dass der bisher größte dokumentierte Fall in der Folge dazu führt, dass neue Sockenpuppen-Vorwürfe gemacht werden, ist nicht verwunderlich. Wenn Du nun über neue Fälle vermeintlich falscher Beschuldigung berichtest, würde ich diesmal schon gerne etwas sicherer gehen, dass Deine Behauptungen einen Realitäts-Check überstehen.

            Nicht jede Unverschämtheit oder jeder Angriff auf einen Account, der vermeintlich von einer Frau betrieben wird, ist Sexismus. Dies anhand von Diskussionsseiten zu diagnostizieren, ist nicht zuletzt wegen der Unübersichtlichkeit und Zerrissenheit der Kommunikation unmöglich. Da muss schon das persönliche Gespräch mit beiden Seiten her.

            Wie gesagt: Es gibt ein ernstes Sexismus-Problem. Es gibt Kampagnen von “Maskulinisten” oder wie auch immer sie sich nennen mögen, die bei weitem nicht nur die Wikipedia betreffen.

            Wenn man jedoch indifferent um sich schlägt, kann man dem aber nicht begegnen. Ich weiß noch, wie BUND-Aktivisten überall in der Wikipedia Atomlobbyisten ausgemacht hatten, weil ihre nicht-qualitativen Edits immer wieder gelöscht wurden. Die Eskalation führte dann soweit, dass eine Domain der Umweltorganisation auf der Spamliste landete.

  2. Nicole Ebber sagt:

    Danke für den konstruktiven Beitrag und vor allem für die guten Vorschläge an uns. Wir sind inhaltlich mit euch auf einer Linie und schätzen es sehr, dass ihr euch klar und deutlich einbringt. Die Anregungen werden definitiv in unserer weiteren Überlegungen einfließen.

    Allerdings brauchen wir gerade noch ein paar Tage Zeit für den internen Abstimmungsprozess zum Thema. Deswegen bitten wir noch um Geduld bis Anfang nächste Woche, dann werden wir uns intensiver melden.

    Vorweg aber schon die Frage, wie wir uns besser vernetzen können. Wollen wir mal einen Hangout machen oder ein Treffen? Wir sind dankbar für alle Anregungen der interessierten Parteien.

  3. Nicole Ebber sagt:

    Nochmal konkreter: Wikimedia Deutschland möchte Diskriminierungen und Ausgrenzungen entgegenwirken. Wir geben allen Anliegen Rückendeckung, die Vielfalt fördern und unterstützen euch gern bei Aktivitäten. Allerdings können und werden wir nicht in die Strukturen der Wikipedia und der Community eingreifen. Aber wir nehmen gern den Vorschlag auf und schaffen einen Raum für Vernetzung und Austausch. Eine Mailingliste können wir tatsächlich direkt umsetzen. Wie soll sie denn heißen? Vorschläge?

  4. @Torsten
    “Vieles, was Du in Deiner 50seitigen Dokumentation als Sexismus qualifiziert hast, las ich als Vorwurf Sockenpuppen zu verwenden.”
    Mit dieser Lesart “überliest” du natürlich den Sexismus. Eine Frau wurde permanent als Mann angesprochen und sie wurden dabei von der männlichen dominierten Administratorenschaft gedeckt. Das ist etwas anderes als ein Sockenpuppenvorwurf.
    Selbst wenn du Recht haben solltest – was ich bezweifel – und mit dem Aberkennen der geschlechtlichen Selbstbestimmung “eigentlich” ein Sockenpuppenvorwurf gemeint sein sollte, dann wäre es dennoch sexistisch. Auch wenn bspw. Merkel eine Politik macht, die mir nicht passt, sind Angriffe gegen sie als Frau sexistisch und man kann nicht einfach sagen, gemeint sei doch mit diesen Angriffen ihre Politik.
    Der Großteil der 50seitigen Analyse beschäftigt sich übrigens nicht mit diesen sexistischen Äußerungen, sondern mit dem institutionalisiertem Sexismus, dem Durchwinken von Sexismen, dem Fehlen von Anlaufstellen gegen diskriminierende Äußerungen. Dies ist wichtiger als das Aufzeigen von sexistischen Äußerungen. Es gab da ja auf persönlicher Ebene Entschuldigungen und damit ist die Sache dann erledigt. Die Struktur ist aber geblieben und das ist das Problem.

    • Torsten sagt:

      Hier können wir nun herrlich spekulieren, ob Admins Sexismen durchwinken oder nachträglich als begründet erwiesene Sockenpuppenvorwürfe. Wie oben geschrieben: Nur durch Dialog abseits der Diskussionsseiten kann hier mehr Klarheit geschaffen und eine Lösung versucht werden.

      • Im Januar ging es schon nicht um Sockenpuppenvorwürfe, sondern um das Zulassen von Sexismus (zeitgleich wurde für “Fräulein Haselburg-Müller” gesperrt wegen Verächtlichmachung, nicht aber für eine sprachliche Vermännlichung von Frauen).

        Im August wurden sexistische Kommentare wie “Weibchen: bei mir hast du Narrenfreiheit” durchgewunken, die Teil einer massiven Kampagne waren. Einer Kampagne, auf die zuvor im Wikipedia-Kurier deutlich hingewiesen wurde.

        Voraussetzung für den Dialog wäre, dass es Sexismus in der Wikipedia gibt, dass es diesen nicht geben sollte und dass es angesichts der gezielten Kampagne einen antisexistischen Handlungsbedarf gibt, der mehr zu mehr als “gut, dass wir mal drüber gesprochen haben” führen sollte.

  5. Fiona Baine sagt:

    Hallo, ich melde mich zu Wort, da ich von Einigen offenbar verwechelt werde. Ich bin nicht dieselbe, zu der Andreas eine Dokumenation gemacht hat.

    Sockenpuppen- und Klarnamenspekulationen wurden und werden sowohl von den Maskulisten in Foren und Blogs über mich und eine andere Wikipedia-Autorin als auch von angemeldeten Benutzern in der Wikipedia betrieben. Offenene Beleidigungen, Provokationen, dumpfe Verdächtigungen, laufende Störungen der Artikelarbeit, häufige Vandalismusmeldungen, die das Ziel haben, den Ruf zu schädigen und immer längere Sperren zu provozieren, und eine Mehrheit der Administratoren, die dies durchwinken oder aussitzen – das war in der Summe so zermürnend, dass ich aufgeben habe. Einzelne Autoren und Administratoren, die uns zwei manchmal drei Autorinnen unterstützten oder zumindest bei diesem Hetzen sind wegsahen, werden von dem Mehrheits-Männerbund in der Wikipedia ebenfalls angegriffen und geraten ins Visier der Maskulisten in den Foren.

    • Torsten sagt:

      Danke für die Klarstellung, aber das war mir bereits klar.

      Ihr müsst aber raus aus der Schützengrabenperspektive kommen. Niemand, der nicht tief, tief im Konflikt steckt kann zum Beispiel etwas mit dem Link unten anfangen, den Du unten bringst. Vandalismusmeldung? Wer sind die ganzen Nicknamen dort? Was ist Manndat?

      Für Außenstehende gibt es nur Andreas Kemper, der damit auftritt. Doch sein letzter Alarmruf war in meinen Augen wertlos, da er vieles vermischte.

      Wenn man um einen Überblick zu behalten ein eigenes Lexikon benötigt, dann ziehen sich nicht nur Admins zurück. Auch Hilfe von anderen wird auch nicht kommen. Sie wenden sich lediglich von der Wikipedia insgesamt ab.

      • Fiona Baine sagt:

        Torsten, diese Blogkommentare sind sicher nicht dazu dar, die Strukturen von Wikipedia zu erklären. Dafür gibt zig Seiten in Wikipedia und Bücher. Außerdem scheinst du dich in Wikipedia auszukennen. Oder habe ich dich falsch verstanden? Ddeinen Schützengrabenvergleich finde ich, nun, unpassend. Diese Militaria-Analogien sind sehr beleibt in den Männerrechtsforen – ich weise einen solchen hier zurück. Und Admins – die sollten sich doch auskennen, oder?

        Mir ist auch an deinen Kommentaren nicht deutlich geworden, worum es dir eigentlich geht. Vielleicht magst du das einmal erklären.

  6. Nicole Ebber sagt:

    Seit gerade gibt es nun auch eine deutschsprachige, öffentliche Mailingliste zum Gendergap in Wikipedia. https://listen.jpberlin.de/mailman/listinfo/gendergap. Wir freuen uns auf ein respektvolles und konstruktives Miteinander.

  7. Fiona Baine sagt:

    @Torsten, du scheinst mit Wikipedia vertraut zu sein. Darum noch einmal: die Vorgänge in WP, um die es seit einigen Wochen geht, haben nichts mit dem Sockenpuppenfall zu tun, den Andreas dokumentiert hat. Allerdings ist seitdem jede Frau, die in Gender-Themen arbeitet, als Feministin gilt oder als neue Autorin anfängt und selbstbewusst ist, einem beständigen Sockenpuppen-Generalverdacht ausgesetzt. D.H. diese Spekulationen dienen als Vowand, um bestimmte Frauen zu diffamieren und einzuschüchern. Die externe antifeministische Kampagne wurde zu einer WP-internen. Seit 2009 versucht Arne Hoffmann schon auf seinen Personenartikel in WP massiv Einfluss zu nehmen. Wir haben das dokumentiert. Wir wissen auch, welche der WP-Autoren, die uns in WP konstant bashen, zugleich in den Foren über uns herziehen. Wir haben auch dokumentiert, welche Rolle Arne Hoffmann und Michael Klein, die die Kampagne anheizen, seit Juni 2012 spielen, wie sich die Kampagne in WP auswirkt und welche WP-Autoren daran beteiligt sind. Es tauchen in dem Zusammennhang immer wieder Benutzer mit wechselnder IP auf – gleiche Range, gleicher Anbieter, gleicher Standort, gleiche Mission, gleicher Stil – wie heute wieder -, die stundenlang ungehindert eskalierend agieren können, bis sie 5-6 Stunden gesperrt weren und mit neuer IP wiederkommen. Mit dem Entzug der Schreibrechte werden jedoch von bestimmten Administratoren die betroffenen Feministinnen bedroht. Sie wurden systematisch als “Störerinnen” aufgebaut. Wenn – wie heute in einer VM gegen einen der Benutzer, die nicht wegsehen – eine Frau darauf hinweist, wird ihr Beitrag entfernt. Hier der Link:
    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wikipedia:Vandalismusmeldung&diff=prev&oldid=107198709

    Bis zum Juni 2012 habe ich als Fachautorin für bestimmte Themen intensiv Artikelarbeit gemacht – das wurde seitdem zunehmend unmöglich. Ein Benutzer drohte zuletzt sogar, mir in meine Themenbereiche, mit denen er nichts zu hat und gar nicht kompetent ist, zu folgen. Das war der Punkt, an dem mir klar wurde, dass ich keine ruhige Minuten mehr in Wikipedia haben werde.

    • Katrin sagt:

      Hallo Fiona,

      danke für die Erklärungen. Das klingt alles ganz schrecklich. Ich finde es schlimm, wie hier mit dem Pappkamerad “Ideologie” eine Bedrohung inszeniert wird, die angeblich die Wikipedia “übernehmen” wolle – von Leuten, die nichts anderem massiv huldigen, als einer der verachtendsten Ideologien unserer Zeit – ich glaube, das sollte man einmal ganz deutlich sagen.

      Die Methoden lassen mir ehrlich den Mund offen stehen und mir bleibt richtig die Spucke weg.

      Ich möchte da nicht tatenlos zusehen und ich möchte, dass wir irgend etwas unternehmen. Es kann nicht angehen, dass Menschen, die sich in der Wikipedia völlig korrekt verhalten durch gezielte Manipulation der Wikipedia daran gehinder werden, zu arbeiten – und nichts anderes wird hier betrieben!! und das sollten sich alle einmal laut vorsagen, die meinen, man dürfe nicht eingreifen: es wird bereits massivst EINGEGRIFFEN, es wird manipuliert!

      Gibt es vielleicht eine Möglichkeit, dass wir uns auf der Mailingliste darüber austauschen, was man tun kann? ich möchte gerne aktiv werden. Ich will nicht, dass die Maskulisten Wikipedia kaputt machen, denn Wikipedia ist von ihrer Idee her toll. Und ich glaube, viele andere wollen auch helfen, wissen aber nicht, was sie tun können.

      Nicole hat auch angeboten, dass wir ein Treffen organiseren könnten. Das wäre dann sicherlich in Berlin..,

      ich würde mich sehr freuen, wenn wir alle irgendwie einen Austausch hinbekämen und Ideen finden, wie man Leuten helfen kann, die in die Situation kommen, wie du. Ich denke, vor allem müssen wir viele sein.

      Viele Grüße
      Katrin

      • Kilian sagt:

        Es gibt Leute, die meinen, man dürfe bei Wikipedia nicht eingreifen? Lustig.

        Mailing-Listen, RL-Treffen, drüber bloggen, drüber twittern und den Fanclub (WMDE) nerven sind alles sicher halbwegs sinnvolle Schritte (das eine mehr, das andere weniger). Nützt aber alles nichts, solange on-wiki nix ankommt.

  8. Torsten sagt:

    Die einzige alternative mir geläufige Formulierung im Deutschen wäre “Froschperspektive”. “Schützengraben” fand ich passender, da es die Verengung des Blickfelds auf ein gegnerisches Lager zeigt.

    Wie gesagt: Dein Link unten sagt niemanden wirklich etwas, der sich nicht mit Wikipedia gut auskennt. Ich kenne mich in Wikipedia recht gut aus und für mich hat er eine sehr deutliche Sprache: Klick weg so schnell es geht. Hier kannst Du nichts gewinnen, aber viel Frustration aufsammeln. Jeder gut gemeinte Edit wird zuerst nach Loyalität und Parteinahme bewertet, erst danach vielleicht nach dem Inhalt. (So etwas gibt es in allen Communities, Wikipedia ist über seine anstrengende Diskussionsstruktur noch etwas schlimmer.)

    Was sollen Frauen tun, die so etwas lesen? Sich in den Kampf mit den übelsten Trollen werfen?

    • dieTilde sagt:

      Torsten, was möchtest du eigentlich?

      Das ist jetzt dein x-ter Kommentar, in dem du (nur) bemängelst, was dir gegen den Strich läuft.

      Was möchtest du im Kontext von Katrins Intention zur Debatte beitragen? Was hast du für Vorschläge, wie die Strukturen verbessert werden könnten?

      Ich finde Fionas Links hilfreich (und ich bin keine Wikipediaderin). Was soll dieses penetrante Rumgehacke?

  9. Torsten sagt:

    Dottilde: Ich dachte, meine Warnung sich nicht auf ein Schrei-Wettbewerb mit Trollen einzulassen, ist nicht schwer verständlich, konsensfähig und nun mehr als ausführlich erläutert.

    Jetzt existiert schon Mal eine Mailingliste als erste Plattform. Ich sage: Macht was draus.

    • Fiona Baine sagt:

      “In Kämpfe mit den übelsten Trollen werfen” – wie kommst du darauf, Torsten? Weder ich noch meine WP-Freundinnen haben sich in Kämpfe geworfen. Wir wurden (und werden) systemantisch in unserer Arbeit in WP behindert und in den Foren aufs Übelste verächtlich gemacht und bedroht. In den Foren wie in über Emailverteiler von Wikipedianern kursieren Spekulationen über unsere Klarnamen, und die Sockenpuppenverdächtigungen reißen auch nicht ab.

      Du machst etwas, was ich x-mal in WP erlebt habe: du verkehrst die Verhältnisse. Nein, wir waren und sind keine Täterinnen und auch keine Aktivistinnen.

    • dieTilde sagt:

      Macht was draus.

      Und am Anfang der Gender-Gap-Debatte angekommen. Es liegt an den Frauen* (optional: Komma, Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen).

      Die Deklarierung von sexistischen und diffamierenden Angriffen und Cyber-Mobbing als “Trollen” ist hochgradig bagatellisierend.

      Es reicht eigentlich eine halbe Stunde Surfen in Diskussionssträngen auf Wikipedia um festzustellen, dass das (Weg)Mobben von Autorinnen sehr systematisch passiert.

      Das, was du hier machst, ist Derailing.

      Also nochmal zum Ursprungspost von Katrin, mit 3 essentiellen Punkten:

      Gebt uns Rückendeckung!
      Gebt uns eine Vernetzungsstruktur!
      Schafft Strukturen!

      Das brauchen die Autorinnen, Torsten. Du, als aktiver Wikipedianer, kannst heute damit anfangen.

  10. Fiona Baine sagt:

    Daily business in Wikipedia:
    heute hat wieder ein “guter Bekannter” eine Vandalismusmeldung gegen SanFran Farmer abgesetzt.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Vandalismusmeldung#Benutzer:SanFran_Farmer_.28erl..29

    Torsten, wo bleibt dein Engagement?

  11. Fiona Baine sagt:

    und auch das business as usual: Diskussionen um den Artikel über Arne Hoffmann (seit 2009), in denen eine neue Autorin allein versucht gegen das Reinwaschen von Herrn Hoffmann als “linksliberal” und das Entfernen von Kritik aus dem Artikel zu argumentieren:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Arne_Hoffmann#Politische_positionierung

  12. Maya sagt:

    Ich möchte euch auf den heute bei uns erschienenen Text aufmerksam machen, in dem wir die deutsche Wikipedia unter die Lupe nehmen.

    http://femgeeks.de/die-deutsche-wikipedia-unter-der-lupe/

  13. [...] Rönnicke fasst in ihrem Artikel “Antifeminismus und Wikipedia – jetzt erst Recht!” bereits drei essentielle Parameter zusammen, die Voraussetzungen und Anreize schaffen können, [...]

  14. Nicole Ebber sagt:

    Nachtrag: Wikimedia Deutschland am kommenden Mittwoch ab 18:00 Uhr eine Office Hour via IRC zum Thema Sexismus in der Wikipedia an und freuen uns auf zahlreiches Erscheinen und eine respektvolle, konstruktive Diskussion. Alles Weitere hier: https://blog.wikimedia.de/2012/09/07/sexismus-in-der-wikipedia-einladung-zur-irc-office-hour/.

  15. [...] der Wikipedia kommt einiges in Gang. Nach der eigenen Mailingliste für alle Interessierten, die sich rund um die Themen Gendergap und [...]

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